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2017

Ottomar Anschütz vor 110, 120, 125 Jahren und Streichung Ehrengrab

Vor 125 Jahren:

34000 zahlende Besucher, im Berliner Ausstellungspark Stadtbahnbogen Nr. 21, die 10 Pfennig in einen Schlitz des Anschütz-Automaten-Schnellsehers steckten, um „Lebende Bilder“ zu sehen. Als Stadtbahnbögen bezeichnete man die halbrunden Viadukte unterhalb einer städtischen Schienentrasse. In diesen befanden sich, damals wie heute, Handwerksbetriebe, Läden und Ausstellungsräume.

Der Automaten-Schnellseher zeigte seine „Lebenden Bilder“ 1892 nicht nur in Deutschland, sondern auch in Amerika, England und Frankreich.  Welche logistische Meisterleistung musste damals dahintergesteckt haben? Ab Februar 1891 arbeitete Ottomar mit der Weltfirma Siemens & Halske zusammen, die den neuen Apparat nach seinen Vorstellungen bauten. Ottomar ließ sich den Geldeinwurf 1892 mit der No.66346 auch gleich patentieren.

Gezeigt wurden:                                                                             

- laufende Hunde – marschierende Soldaten – das Zurückschlagen der Lafette – springende Pferde – fliegende Reiher – Karriere laufendes Pferd – Postkutsche und Landbriefträger für Postwerbung – hinkende Menschen für Forschung – tanzende Menschen.

1892 kam das dritte Modell der Goerz-Anschütz-Moment-Kamera auf den Markt und war die erste Handkamera für Hochgeschwindigkeitsaufnahmen. Durch die vereinfachte Verengung des Schlitzspaltes auf 2 mm wurde eine Belichtung von 1/1000 Sekunde erreicht. Ottomar hatte sein Ziel, Menschen und Tiere in Bewegung zu photographieren, mit einer leistungsfähigen zuverlässigen Handkamera erreicht. Diese Kamera und ihr verbessertes Nachfolgemodell, wurde als die erste Pressekamera bezeichnet und in ihrer Funktion bis ca. 1926 verwendet.

Da man zum Photographieren kein Stativ benötigte, sondern diese kleine Kamera in der Hand hielt, um Objekte, auch in der Bewegung, zu photographieren, wurde diese auch als Detektivkamera bezeichnet.

Vor 120 Jahren:

Nicht nur heute, angeblich durch den Klimawandel, kommt es zu Naturkatastrophen, sondern auch 1897 wurden zwei Dörfer fast vollständig vernichtet. Zwei kleine Dorfbäche in Schlesien wurden durch Niederschläge zu Bestien.

Ottomar Anschütz reiste in das Gebiet, photographierte die zerstörten Dörfer mit den unbrauchbaren Straßen, Eisenbahnlinien, Brücken, halben Häusern, weggeschwemmten Häusern oder den leidgeplagten Bewohnern und Kindern.

Mit dem Titel: „Die Verheerungen der Eglitz und Lomnitz in Schmiedeberg und Krummhübel“ brachte Ottomar Anschütz einen Bildband mit 36 Photos heraus. Die Kaiserin „Auguste Victoria“ schrieb handschriftlich das Vorwort.

16.Mai 1897 Photographische Spiegelkamera. Mit der D.R.G.M. No.97742 sicherte sich Ottomar für einige Zeit seine neue Reflexkamera. Der Text lautete: Photographische Spiegelkamera, bei welcher in Folge Herunterdrückens des Spiegels durch Zahnradübertragung der Rouleauverschluß gespannt wird.

D.R.G.M. Das Reichs-Gebrauchsmuster war und ist und der „kleine Bruder“ des Patents und Teil des Gewerblichen Rechtsschutzes.

Ab 26.07.1897 D.R.G.M. 80583, sicherte sich Ottomar in Mappenform zusammenlegbare Zelte, zur Ausübung des photographischen Negativprozesses. (Dunkelkammer)

Vor 110 Jahren:

Ottomars Todestag

Im Jahre 1907 verlegte Ottomar seine Firma in die Leipzigerstr.131 und Potsdamer Str.4.  Während des Umzuges erkrankte er und verstarb am 30. Mai 1907. Sohn Guido leitete die Ottomar Anschütz GmbH als Geschäftsführer erstmal weiter.

Adressen und Geschäftsführer nach Ottomars Tod 1907

            Ottomar Anschütz GmbH, Photographische Kunstanstalt, Spezialgeschäft für Photographie, Königliche Preußische Staatsmedaille in Gold.

            Kontor und Versand: Berlin W 9 Potsdamerstr. 4, Tel. VI-7192

            Geschäft: Berlin W 66 Leipzigerstr. 131, Geschäftsführer Guido Anschütz und Franz Conrads

Die Grabstätte von Ottomar Anschütz wurde nach der Fertigstellung zum Ehrengrab der Stadt Berlin

Der Regierende Bürgermeister von Berlin: „Ehrengrabstätten des Landes Berlin sind Ausdruck der Ehrung Verstorbener, die zu Lebzeiten hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin erbracht oder sich durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben.“

Denkste!

Im Dezember 2015, strich der Senat von Berlin das seit 1907 bestehende Ehrengrab des Foto-und Kinopioniers Ottomar Anschütz auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße aus der Ehrengräberliste. Zuständigkeit:  www.christian.krueger@senatskanzlei.berlin.de

Spätestens mit der Ausgabe des Sonderpostwertzeichens „125 Jahre erster Gleitflug Otto Lilienthal“ am 7. Juli 2016 durch die Deutsche Post müsste sowohl der SPD-Senatskanzlei als auch der rotgrünen Zählgemeinschaft von Tempelhof-Schöneberg klargeworden sein, dass Ottomar Anschütz weiterhin ein „Ehrengrab“ zusteht.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass sich einst jeden Sonntag Otto Lilienthal (1848-1896) vor den Toren Berlins von einem Sprunghügel aus in die Lüfte erhob. Die Berliner strömten mit Kind und Kegel herbei. Getragen von den Flügeln seines Flugapparats glitt Lilienthal über die Köpfe der Zuschauer. Lilienthal gilt als Begründer der modernen Luftfahrt. Er war zudem der erste Mensch, der im Fluge fotografiert wurde – von Ottomar Anschütz. Für die Deutsche Post Anlass genug, Henning Wagenbreth von der Universität der Künste zu bitten, eine Briefmarke zu entwerfen. Wagenbreth nahm sich eine jener Photographien von Anschütz vor, die 1894 am Fliegeberg in Lichterfelde entstanden waren. Er reduzierte die Fotografie auf das für einen Comic-Zeichner Wesentliche: Hügel, Windsack, Flugapparat, Fotograf. Das alles kommt auf der Briefmarke so wunderbar kantig und roh daher, eine Welt voller Poesie. Mehr brauchte es nicht, um Lilienthal und Anschütz wieder in Erinnerung zu rufen.

Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin:

Am 8. Februar 2016 feierte die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin die Rückkehr jener verschollen geglaubten Bilderserie des Photographen Ottomar Anschütz, die 1887 als Teil eines größeren Konvoluts an Tierphotographien direkt von Ottomar Anschütz für die Studierenden der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums erworben wurden. Zwei Monate zuvor, im Dezember 2015, strich der Senat von Berlin das seit 1907 bestehende Ehrengrab des Fotopioniers Ottomar Anschütz auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße aus der Ehrengräberliste.

Mehr über die Streichung des Ehrengrabes unter: www.friedenau-aktuell.de/ehrenwerte-friedenauer/ottomar-anschütz/

2017

Zwei Fragen beschäftigen mich seit einigen Monaten?

1907, im Jahr von Ottomars Tod, war Berlin zu einer Verkehrsreichen Hauptstadt geworden. Es gab die Eisenbahnen, Straßenbahnen und vor allem wurden die Unmengen von gut riechenden Pferdegespannen durch stinkende Kraftfahrzeuge ersetzt.

1.     Warum hat mein Urgroßvater Ottomar Anschütz, der die schnellste Kamera der Welt erfunden hatte, sich nicht mit der Erfindung und Verbreitung der Automobilgeschichte beschäftigt? Ich habe nicht eine Photographie in dieser Richtung!!

2.     Warum wurde Ottomar von der Ehrengrabliste gestrichen, wenn die Post 2016, nach über 120 Jahren, eine Briefmarke nach einer Photographie von Ottomar Anschütz herausbringt, ein Berliner Museum 2016 sich über gefundene Photographien maßlos freut, im Berliner Bundestag ein Photo von Ottomar Anschütz ausgestellt ist, bei Google 19000 Ergebnisse angezeigt werden und ich aus aller Welt regelmäßig Anfragen über Ottomar Anschütz erhalte?

Urenkel

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Liebe Leser dieser Seiten, um all diese Informationen zu erstellen habe ich, inzwischen auch über 65 Jahre, die Volkshochschule besucht, um mich im Erstellen einer Homepage zu befähigen. Trotzdem bin ich kein Informatiker geworden, mir ist es aber gelungen, einige Informationen zu installieren und diese Seiten zu pflegen. Mein Wunsch ist es, dass auch in Zukunft das Thema „Ottomar Anschütz“ weiter wie bisher erforscht wird.

Ich bin dankbar über jede erhaltene Ottomar-Information, auch wenn sie noch so klein erscheint. Bitte schreiben Sie mir, ich antworte möglichst schnell.

                                                                                                          Holger Anschütz